Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Corona Depression
Gab es tatsächlich einen Anstieg der psychischen Belastung der Allgemeinbevölkerung während der Corona-Pandemie?
Statistik zur psychischen Belastung der Allgemeinbevölkerung während der Corona-Pandemie in Deutschland im Jahr 2020
In einer Umfrage aus dem Jahr 2020 zeigten knapp 19 Prozent der Allgemeinbevölkerung mittlere und hohe Symptombelastungen einer Depression.
Vor der Pandemie lag der Anteil bei knapp 6 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung.
Welche Vulnerabilitäten und Risikofaktoren gibt es für die psychische Gesundheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie?
Soziale Faktoren
- Verlust sozialer Kontakte
- Verlust von Kinderbetreuung/Beschulung (Kinder, Eltern, Alleinerziehende)
- Kurzarbeit/Arbeitsplatzverlust und damit verbundene finanzielle Einbußen
- Tätigkeit im Gesundheitswesen/systemrelevante Berufe
Gesundheitliche Faktoren
- COVID-19-Erkankung
- Physische Vorerkrankung (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Immunschwäche)
- Psychische Vorerkrankung (z. B. Depression, Angst, Abhängigkeit, Suizidalität)
- Behinderung/Pflegebedürftigkeit
- Wegfall von Sportangeboten/Bewegungsmöglichkeiten
Sonstige Faktoren
- Isolation (z. B. Quarantäne) und empfundene Einsamkeit
- Dauer und Intensität der Schutzmaßnahmen
- Interpersonelle Konflikte (z. B. in Partnerschaft und Familie)
- Geringes Kontrollerleben, geringe Selbstwirksamkeitserwartung und erlernte Hilflosigkeit
- Erkrankung und ggf. Tod von Angehörigen
Inwiefern wirkt Corona als Stressursache?
Die Corona-Pandemie als multidimensionaler Stressor
Infektionswellen vor der COVID-19-Pandemie haben gezeigt, dass Pandemien und Quarantänemaßnahmen als physisch und psychisch belastend wahrgenommen werden. Auch wenn die Maßnahmen dem Schutz der Allgemeinheit dienen, können Erkrankungen mit posttraumatischer, depressiver und Angstsymptomatik sowie Gereiztheit und Ärger im Zusammenhang mit den Quarantänemaßnahmen auftreten. Vor allem Arbeitnehmende im Gesundheitswesen stellen eine vulnerable Gruppe dar.
Allgemeine Stressoren der Pandemie
- Längere Quarantänedauer
- Infektionsängste
- Frustration
- Langeweile
- Unzureichende Informationen
- Finanzielle Einbußen
- Wahrgenommene Stigmatisierung
Stressoren für die psychische Gesundheit
- Körperlicher Abstand
- Soziale Einschränkungen
- Schul- und Geschäftsschließungen
- Kurzarbeit
- Arbeitslosigkeit
- Drohender/tatsächlicher Verlust des Lebensunterhalts bis Existenzgrundlage
Trotzdem berichteten anfangs noch viele Menschen von positiven Erfahrungen aus der Zeit der Corona-Einschränkungen. So erlebten einige eine Entschleunigung des Alltags, eine Konzentration auf das Wichtige im Leben und Vorteile im Zusammenhang mit Homeoffice. Darüber, inwieweit sich die allgemeine Einstellung gegenüber den Einschränkungen im Laufe der Zeit verändert hat, lässt sich jedoch nur spekulieren.
Fest steht, dass insbesondere junge Menschen im Sozialleben gravierende Einschränkungen und teilweise starke Einsamkeitsgefühle erlebten. Diese resultierten oft aus eingeschränkten Möglichkeiten der Partnersuche, abgesagten Initiationsriten (z. B. Feier der Volljährigkeit, des Abiturs oder eines anderen beruflichen Abschlusses), Partys und Kulturveranstaltungen. Auch die Umstrukturierung des Alltags und der Schulen auf digitale Lehre erschwerte für viele das Schließen sozialer Kontakte.
Welche Ursachen hat eine Depression?
Es wird angenommen, dass eine Depression immer durch mehrere Faktoren bedingt wird: Der multifaktorielle Ansatz geht nicht von einer einzigen Ursache, sondern von mehreren Faktoren aus, die sich gegenseitig beeinflussen.
Eine genetische Veranlagung, Persönlichkeitszüge und anhaltender Stress (beruflich und privat) zählen zu diesen Risikofaktoren. Auch traumatische Erfahrungen, persönliche Verlusterlebnisse und Phasen biologischer/psychosozialer Veränderungen (z. B. durch Schwangerschaft) können die Erkrankung auslösen. Doch nicht nur psychische Belastungsfaktoren spielen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle.
Unter die häufigsten physischen Risikofaktoren fallen Schlafstörungen, schwere, chronische und unheilbare Krankheiten und andere wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
Bezieht man diese Risikofaktoren auf das Pandemiegeschehen, fällt auf, dass anhaltender Stress auch durch Ängste, Befürchtungen und finanzielle Einbußen im Zusammenhang der Einschränkungen entstehen kann.
Der Tod von nahestehenden Menschen stellte für viele ein gravierendes Verlusterlebnis dar. Auch die eigene Erkrankung kann ggf. als traumatisierend empfunden werden. Sicher ist, dass die psychosozialen Veränderungen der COVID-19-Pandemie das Leben und den Alltag vieler beeinflusst haben.
Welche Symptome einer Depression gibt es?
Zu den drei klassischen Hauptsymptomen einer Depression zählen:
- Eine tiefe, ununterbrochene Niedergeschlagenheit, die mindestens zwei Wochen anhält/Freudlosigkeit bzw. Interessenverlust
- Mangelndes bzw. kein Interesse an sozialen Kontakten, Arbeit und Hobbys, Aufmunterungsversuche von nahestehenden Menschen laufen ins Leere
- Anhaltende innere Leere, Antriebslosigkeit und ständige Müdigkeit, sogar das morgendliche Aufstehen wird zum Kraftakt
Weitere psychische Begleitsymptome können sein:
- Undefinierbare Schuldgefühle, Selbstzweifel und Selbstvorwürfe (häufig!)
- Schlafstörungen
- Unruhe, starke Nervosität, innere Erregtheit
- Erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum
- Erhöhte Reizbarkeit und Aggressionen (vor allem bei Männern)
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
- Verlust des sexuellen Verlangens
Körperliche Symptome können sein:
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Magen- und Darmprobleme
- Schlafstörungen
- Appetitlosigkeit; seltener: Heißhunger-Attacken
Welche Behandlung und Therapie gibt es bei einer Depression?
Niemand muss sich heutzutage schämen, seelische Probleme und psychische Beschwerden professionell behandeln zu lassen. In der Praxis hat sich immer wieder gezeigt, dass ein offener Umgang mit der Erkrankung eine Therapie unterstützt.
Den meisten Menschen, die unter einer Depression leiden, kann durch eine professionelle, psychotherapeutische Behandlung geholfen werden. Mit einer individuellen, störungsspezifischen Therapie können depressive Episoden sogar vollkommen verschwinden.
Um den Therapieerfolg zu beschreiben, werden in der modernen Psychiatrie die Begriffe „Remission“ (weitgehender Rückgang von Symptomen für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten) und „Recovery“ (Symptomfreie „Genesung“ mit einer Normalisierung des Neuerkrankungsrisikos) bevorzugt verwendet.
In den Oberberg Klinken liegt der Schwerpunkt nicht nur auf den Symptomen, Beschwerden und Defiziten, sondern auch ganzheitlich auf den supportiven Faktoren (Unterstützung), Ressourcen (Fähigkeiten, „gesunde Anteile“) und insbesondere der individuellen Resilienz („Widerstandsfähigkeit“, „Stressresistenz“).
Wichtig: Es gibt viele verschiedene erfolgreiche Psychotherapie-Ansätze zur Behandlung einer Depression. Bei Oberberg liegt der Fokus auf einem individualisierten, aber evidenzbasierten Behandlungskonzept, welches Ihnen den größten Therapieerfolg verspricht. Hierbei bedarf es Mitwirkung, Geduld und Durchhaltevermögen.